The story about „the old girl“

28.10.2019 21:05

Zielfischjäger, nein das passt nicht zu mir. Dennoch gibt es in vielen Gewässern Fische, sofern bekannt, die man gerne auch mal im eigenen Fangbuch verewigen möchte.

Mein Hausgewässer, ein alter Waldsee in einem Tal gelegen beherbergt vielleicht nicht die größten, aber wahrscheinlich, zumindest für mich, einige tolle Charakterfische die sich ich in den letzten Jahren allesamt auf meiner Matte blicken ließen, alle… außer einem!

The old girl, eine alte Spieglerdame, der ich bis dato den Schneid nicht abkaufen konnte. Kenne ich den Fisch doch von Fotos vergangener Tage, die mir immer wieder bei all den Ansitzen an diesem See durch den Kopf geistern.

Es war Mitte Juli, die Saison war im vollem Gange. Trotz sehr hoher Temperaturen entschloss ich mich zu einer kurzen Session an diesem See. Gerade auch weil sich zu dieser Zeit der Mighty Mussel Boilie in der Testphase befand und bereits Tage zuvor, dem gesamten Team einige Ausnahmefische auf die Matte brachte.

Mir gefiel der „Neue“ auf Anhieb. Ich entschloss mich also einen vielversprechenden Spod in der Flachwasserzone des Sees großflächig zu präparieren.

Die Nacht stand bevor. Spät nachmittags am See angekommen, wurde zügig der Shelter aufgebaut und die Ruten scharf gemacht. Beide Ruten wurden ohne viel Geplänkel jeweils mit einem 16 bzw 20 mm Sinker bestückt. Als Toping fanden gelbe Fake Maiskörnchen den Weg ans Haar.

Das Warten konnte also beginnen.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit dann die erste Aktion. Die linke Rute pfiff los und der Fisch schwamm schnurstracks in ein dichtes Seerosenfeld. Es kam wie es kommen musste, ich verlor meinen Kontrahenten noch bevor der eigentliche Drill beginnen konnte.

Merklich enttäuscht, doch voller Hoffnung wurde die Falle wieder an Ort und Stelle gebracht.

Es blieb eine Weile ruhig. Mittlerweile war es kurz nach Mitternacht, der Mond schien hell und es war totenstille. Ich lag wach auf meinem Bedchair und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

„War es vielleicht der Fisch, die Spieglerdame…das alte Mädchen? Ist sie mir entwischt? “

Plötzlich gab mein rechter Bissanzeiger einzelne Pieptöne von sich. Im Schein der Kopflampe konnte ich erkennen, dass der kleine weiße Bobbin unterm Rutenblank klebte. Ohne lang zu zögern nahm ich die Rute auf und hatte sofort Fischkontakt.

Zunächst stand der offensichtlich gute Fisch, stramm in der Rute. Dann ganz allmählich, bewegte er sich langsam auf mich zu. Die behäbigen Schwimmbewegungen meines gegenüber bestätigten meine Vermutung. Es muss sich um einen „ Besseren“ handeln. Nach relativ kurzer Zeit gab der Spiegler seine Flanke preis. Ein Adrenalinstoß durchdrang meinen Körper. Ich erkannte den Fisch im Lichtkegel meiner Led Lenser sofort. Es war kaum zu glauben, aber ich hatte Sie am Band.

Mit zittrigen Knien versuchte ich die Oberhand zu gewinnen um den Drill schnellstmöglich zu beenden. Nach einer gefühlten Ewigkeit, setzte ich zum Versuch an, den Fisch zu keschern. Was mir auch prompt gelang. Unglaublich, ein Blick in die Maschen ließ mich laut aufschreien. The old girl…ich hatte mein für mich noch fehlendes Puzzlestück überlisten können.

Sehr vorsichtig schloss ich den Kescher, rollte ihn zusammen und trug ihn über den weichen Waldboden zu meiner Abhakmatte. Dem ersten Anschein nach war der Fisch kerngesund. Trotz allem sah man ihm an, dass er wohl schon einige Jahre, ja sogar Jahrzehnte auf dem Buckel hatte.

Gut versorgt, verblieb er schonend in der Sling, um am nächsten Morgen ein paar schöne Aufnahmen zu machen.

Hochzufrieden machte ich es mir wieder auf meinem Bedchair gemütlich. An Schlaf war nach solch einem aufregenden Fang nicht zu denken.

In Gedanken ließ ich die Geschehnisse Revue passieren. Brachte mir doch letztendlich ein Köder, welcher doch sehr die natürliche Nahrung unserer Zielfische wiederspiegelt, diesen Ausnahmefisch.

Vollgepackt mit Zutaten wie feinstes Fischmehl, Muschelextrakt, Insektenmehl und Spirulina, um nur ein paar zu nennen, trafen genau den Geschmack dieses alten Rüsslers.

Nach einer Weile war ich eingeschlafen. Im ersten Licht des nächsten Tages kroch ich aufgeregt aus meinem Schlafsack. Hochzufrieden begann ich mit der Zubereitung eines starken Kaffees, den ich mir auch meiner Meinung nach, redlich verdient hatte. Jetzt hieß es erstmal Ruhe bewahren, das Handy zücken und die Fangmeldung verbreiten.

Nach einem kurzen Telefonat war recht schnell ein geeigneter Fotograf gefunden, der den Fang verewigen sollte.

Ich wollte keine Zeit verlieren. Nach einem kurzen Plausch vor der noch geschlossenen Wiegeschlinge, konnte auch schon die Fotosession beginnen noch bevor wir dann dem Fisch gemeinsam im knietiefen Wasser wieder seine Freiheit schenkten.

Machs gut und hoffentlich sehn wir uns wieder dachte ich mir und schloss somit ein bedeutendes Kapitel für mich ab.

Letzten Endes werde ich auch wohl künftig der Zielfischjagd nichts abgewinnen können. Viel zu sehr, mag ich es einfach aus meiner Angelzeit das Optimum herauszuholen und maximalen Erfolg zu haben.

Wer Geduld und Ausdauer beweist, das nötige Quäntchen Glück auf seiner Seite hat und natürlich last but not least mit guten Ködern ins Rennen geht, wird sicherlich belohnt werden.

Tight Lines,

Roland


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